Azubis finden über Social Media: Was wirklich funktioniert

Azubis finden über Social Media: Was wirklich funktioniert

Daniel Drzewiecki13. März 2026Recruiting 4 Min. Lesezeit

# Azubis finden über Social Media: Was wirklich funktioniert

Letztes Jahr haben wir mit einem Dachdecker aus der Region Rostock gesprochen. Seit drei Jahren kein einziger Azubi. Nicht weil der Betrieb schlecht wäre – im Gegenteil. Faire Bezahlung, gute Ausstattung, ein bodenständiger Chef. Aber null Online-Präsenz.

Seine Lösung bisher: Anzeige in der Tageszeitung, Aushang am Schwarzen Brett der Berufsschule, Profil auf Ausbildungsatlas.de.

Sein Problem: Die Leute, die er sucht, lesen die Tageszeitung nicht. Sie kennen Ausbildungsatlas.de nicht. Und das Schwarze Brett an der Berufsschule hat seit Jahren kein Schüler mehr angeschaut.

Wo die Zielgruppe wirklich ist

Schulabgänger zwischen 15 und 19 Jahren verbringen durchschnittlich zwei bis vier Stunden täglich auf sozialen Medien. Instagram, TikTok, YouTube – in dieser Reihenfolge. LinkedIn kennen sie, nutzen es aber kaum. Facebook nutzen sie fast gar nicht.

Das klingt nach schlechten Nachrichten für Unternehmen, die nur Facebook kennen. Ist es aber nicht. Denn über bezahlte Anzeigen auf Instagram und TikTok lassen sich genau diese Menschen erreichen – präzise nach Region, Interessen und Verhalten.

Das Problem mit den meisten Azubi-Kampagnen

Wir sehen ständig Azubi-Anzeigen, die nicht funktionieren. Der häufigste Fehler: Sie zeigen nicht wirklich, wie die Ausbildung aussieht.

Ein Stockfoto von einem jungen Menschen mit Helm vor einer Baustelle. Text: "Wir suchen Azubis! Melde dich jetzt!" Darunter eine Liste mit Vorteilen, die alle anderen auch haben.

Das scrollt jeder weg. Nicht weil die Zielgruppe desinteressiert ist. Sondern weil die Botschaft nichts zeigt, was zum Hinschauen einlädt.

Was funktioniert: Echter Einblick. 30 bis 60 Sekunden Video, in dem der aktuelle Azubi des Betriebs erklärt, was er letzte Woche gelernt hat. Was ihn überrascht hat. Warum er sich für diesen Betrieb entschieden hat.

Das sieht aus wie ein normaler TikTok-Clip. Und genau deshalb funktioniert es.

Was die Generation Z von einem Arbeitgeber erwartet – und was sie überhaupt nicht interessiert

Jahresgehalt und Sozialleistungen interessieren 16-Jährige kaum. Was sie interessiert:

Wer arbeitet dort? Sind das Menschen, mit denen ich mir vorstellen kann, täglich zusammenzuarbeiten? Das Gesicht des Ausbilders, die Mitazubis, der allgemeine Vibe im Betrieb – das entscheidet.

Was lerne ich wirklich? Nicht "wir bieten eine fundierte Ausbildung in allen relevanten Bereichen" – sondern konkret: Was haben die letzten Azubis nach einem Jahr können? Welche Projekte haben sie bearbeitet?

Wie läuft der Alltag? Pünktlich Feierabend? Homeoffice-Möglichkeiten? (Ja, auch im Handwerk wird das zunehmend gefragt.) Betriebsausflüge? Atmosphere?

Was sie nicht interessiert: Unternehmensgeschichte seit 1987, Zertifizierungen, formale Sprache.

Konkret: Was ein guter Azubi-Content zeigt

Der Dachdeckermeister aus Rostock, von dem ich am Anfang erzählt habe, hat inzwischen eine andere Herangehensweise. Sein Azubi im zweiten Lehrjahr filmt ab und zu kurze Videos auf der Baustelle: "Das hab ich heute gemacht", "So sieht die Aussicht vom Dach aus", "Das ist mein Chef beim Frühstückspause".

Kein Budget, kein Skript. Einfach authentisch.

Diese Videos werden dann als bezahlte Anzeigen auf Instagram ausgespielt – mit regionalem Targeting. Der Betrieb erscheint im Feed von Jugendlichen in einem 40-Kilometer-Radius.

Das erste Schuljahr danach: Zwei Azubi-Bewerbungen. Beide eingestellt. Für einen Betrieb, der drei Jahre leer ausgegangen war.

Was nicht funktioniert

Nur organische Reichweite. Mit einem neuen Kanal ohne Abonnenten zu starten und zu hoffen, dass Videos viral gehen – das ist keine Strategie. Bezahlte Reichweite ist nötig, um die richtigen Menschen zu erreichen.

Ausbildungsportale als alleiniger Kanal. Azubi.de, Ausbildungsatlas, Berufsschul-Pinnwand. Diese Kanäle erreichen Jugendliche, die aktiv suchen. Das sind vielleicht 30 Prozent aller potenziellen Bewerber. Die anderen 70 Prozent müssen Sie aktiv ansprechen – dort, wo sie sind.

Formale Kommunikation. "Wir freuen uns auf Ihre vollständigen Bewerbungsunterlagen" ist der schnellste Weg, eine 17-Jährige zu verscheuchen. Lockerheit ist erlaubt. Authentizität ist Pflicht.

Keine Reaktion auf Bewerbungen. Das ist der am meisten unterschätzte Killer. Wenn ein Jugendlicher sich bewirbt und erst nach zwei Wochen eine generische Antwort bekommt, hat er sich längst woanders beworben. 24 bis 48 Stunden Reaktionszeit ist Pflicht. Am besten persönlich.

Der erste Schritt

Gehen Sie zu dem Azubi oder jungen Mitarbeiter in Ihrem Betrieb, der am aufgeschlossensten wirkt. Bitten Sie ihn, ein kurzes Handy-Video zu machen: "Was machst du gerade? Was hast du heute gelernt?"

Kein Skript, keine Vorbereitung. Einfach draufhalten.

Das ist der Content, der funktioniert. Und der Startpunkt für eine Azubi-Kampagne, die tatsächlich Bewerbungen bringt.